Darum die 0700 (10): Die Nummer, die alles kann

Meine ganz persönliche Erfahrung mit der 0700-Rufnummer

0700-2-HRGAJEK

Ich nutze die Nummer, die alles kann.

Etwa Ende 1999/Anfang 2000 kam DSL auf und so fragte ich bei der Telekom, ob ich in meinem Ort (20.000 Einwohner) DSL bekommen könnte. Die Antwort war: „Leider nein, aber ob ich nicht Interesse an einer 0700 Rufnummer hätte?“ Die würde sie mir alternativ anbieten.

Ich habe bei der damaligen RegTP (heutige Bundesnetzagentur, Anm. d. Red.) einen Antrag gestellt und die Kopie des Bescheids dann der Telekom geschickt und seitdem habe ich die Nummer, seit März 2000. Ich nutze die Nummer als beruflichen Anknüpfungspunkt weltweit. Auch Anrufe aus dem Ausland (USA, UK, Spanien, Frankreich, Österreich, Schweiz) kommen wohl durch. Früher konnte ich eine Auswertung bekommen, woher die Anrufer kommen, aber dazu hätte ich Geschäftskunde bleiben müssen, als Privatkunde sieht man den „EVN“ leider nicht.

Es rufen beruflich interessierte Menschen, Firmen, Organisationen an, denen die Anrufkosten wohl nicht sonderlich wichtig sind oder die sie nicht kennen. Kostenbewusste Anrufer fragen dann eher nach einer Festnetz- oder Handynummer.

Ich nutze die Nummer, die alles kann.

Zum Beispiel die Möglichkeit der Nummernkette, d.h. es klingelt erst auf meinem Festnetz, dann auf Mobiltelefon 1 und dann auf Mobiltelefon 2 – für den Fall, das sich zu langsam bin oder dass Netz 1 oder 2 nicht verfügbar sind. Eine Zeit lang habe ich auch einen Wochenplan genutzt, von x-y Uhr auf Nummer 1 und von y-z auf Nummer 2 und am Wochenende wieder anders.

Mein Anbieter (derzeit noch Telekom) bietet auch die Möglichkeit von Whitelist oder Blacklist. Falls ich die Blacklist einschalte, landen die Anrufe auf einer speziellen Mailbox, die ich später abhöre.

All diese Funktionen sind bei einer regulären Rufnummer nicht oder nur umständlich realisierbar.

Die Ankündigung der Telekom den 0700-Markt aufgeben zu wollen (gemeint ist das Angebot, die 0700 zu schalten. Nicht das „Durchstellen“ zu 0700-Rufnummern, hierzu ist die Telekom gesetzlich verpflichtet. Anmerkungen der Redaktion), halte ich für einen Kardinalfehler. Wenn das Ziel, den Anrufpreis zur 0700 zu regulieren, erreicht werden soll, muss die Telekom als größter Player im Land an Bord bleiben. Die Telekom muss im Gegenzug von der Bundesnetzagentur auch dazu verpflichtet werden, jeglichen Traffic weltweit und das diskriminierungsfrei an die kleineren Anbieter anzuliefern. Die Verdienstmöglichkeiten der Anbieter liegen derzeit bei den monatlichen Grundgebühren für die Nummer und etwaige Zusatzleistungen, wie Routings, Mehrwertdiensten (Sekretariat) oder kostenpflichtige Weiterleitungen zu Mobilfunk oder ins Ausland. Dazu kommen derzeit wohl noch Interconnect-Entgelte, die aber relativ gering sein dürften, da ich nicht annehme, dass die Mobilfunker mehr als die Festnetzanbieter an die 0700-Netzbetreiber bezahlen wollen/werden.

Die Forderung muss lauten

Ein Anruf darf entweder den regulären Tarif zu Festnetz kosten (und muss in Flatrates enthalten sein). Weiterleitungen zum Handy dahinter können dann berechnet werden oder maximal den regulären Tarif zu Mobilfunk kosten, dann müssen Weiterleitungen zum (deutschen) Handy dahinter im Preis enthalten sein.

Wenn ein Festnetz-Anbieter eine Flatrate zum Handy anbietet, müssen 0700-Nummern darin ebenfalls enthalten sein. Das bedeutet, dass künftig alle Anbieter überwiegend von den Grundgebühren und dem üblichen Festnetz Interconnet „leben“ werden.

Da der Verkehr aber durch die klare Preisstruktur steigen wird, werden langfristig auch die Einnahmen durch viel mehr Traffic steigen. Eine 0700 ist kein „Spielzeug“ für Geschäftsleute, sondern genauso gut auch für Privatleute, die eine lebenslange Rufnummer möchten und dahinter selbst entscheiden wollen, wo die Anrufe hinkommen oder wo nicht.

Henning Gajek, TK-Journalist seit 2000 für teltarif.de und andere

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.